FOLGE #10 Judith Hermann, Schriftstellerin

Ich gebe keine Fernsehinterviews”, war der erste Satz, den sie sagte. Das ist ungefähr zwei Jahre her. Seit diesem Satz wartete ich auf einen Interviewtermin.

 

 
 
 

Dass sie keine Bewegtbilder von sich machen lässt, ist unangenehm, wenn man Videointerviews dreht. Gleichzeitig fand ich es schlicht grossartig, dass sich jemand dieser Form der Berichterstattung entzieht.

Was von aussen vielleicht manieriert erscheinen mag, macht dann im Gespräch mehr als Sinn: keine Dreiminüter mit sich machen zu lassen, die nur in Klischees funktionieren. „Ich musste melancholisch gucken und so aussehen als ob ich friere”, Pelzkragen hochgestellt, im Hintergrund die S-Bahn.

Aufmerksamkeit und Marktwert scheinen zu wichtig, um sich den Medien entziehen zu können, aber sie hat mittlerweile Spass an ihrer Gegenstrategie gefunden. „Es ist mir eine grosse Freude zu sagen, dass ich kein Fernsehen mache. Und dann dieses Unverständis dafür zu ernten, dass ich das nicht mache”. An der medialen Verwertungsmaschinerie ändert das wenig, aber sie gewinnt Abstand zu einem System, das sie zumindest bedingt bedienen muss.

Ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des neuen Buches, den ähnlichen Interviews in allen grossen Zeitungen, Zeitschriften und Radiosendern, war es dann so weit. Über Leerstellen – in der Literatur und im Leben.

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